Christine Binder-Fritz http://www.univie.ac.at/ethnomedicine/PDF/Beschneidung%20der%20Frau.pdf [pdf/weibliche_genitalverstuemmelung_aus_ethnomedizinischer_sicht_-_binder-fritz.pdf] =Weibliche Genitalverstuemmelung aus ethnomedizinischer Sicht= * Begriffserklaerung * Formen d. Beschneidung (WHO-Klassifikationen I - IV) * gesundheitliche Folgen * moegliche Probleme in Schwangerschaft/Geburt * soziokulturelle Hintergruende * Rechtliches * Betreuung betroffener Frauen Vertiefung wuenschenswert - auch Fortbildungen der OeAeK englisch: female genital mutilation (FGM, auch -cutting) (SIP!) CAVE: betroffene Frauen fuehlen sich nicht als verstuemmelt, verwenden lieber den Begriff weibliche Beschneidung (auch im Gespraech!) WHO-Def.: jede Verletzung, teilweise oder totale Entfernung des aeusseren Genitale aus nichtmedizinischen Gruenden = Koerperverletzung weltweit 100 - 150 Mio Frauen/Maedchen betroffen, traditionell in > 20 Laendern praktiziert, v. A. Afrika/arabische Halbinsel, Asien (Malaysien, Indien) v. a. Subsahara-Afrika (unterschiedliche Praevalenz je nach ethn. Gruppe/Region) Aegypten, (Nord-)Sudan, Aethiopien, Eritrea, Gambia, Djibouti, Somalia, Mali, Sierra Leone, ... (75 - 90 % d. F. beschnitten) Migration -> Europa (Oesterreich: 6000 - 8000 betroffen) ==Klassifikation== * Typ I: Klitoridektomie (modifizierte Sunna): tw./kompl. Exzision d. Klitoris (Sunna = Tradition), mildere Formen: Einstechen, Einschnitt * Typ II: Exzision von Klitoris und labiae minores, teilweise auch Gewebe d. Vagina * Typ III: Infibulation = pharaonische Beschneidung = extremste Form der FGM (Klitoris, lab. min, entfernt, Wundraender werden vernaeht: kuenstlicher Verschluss d. Vaginaleingangs): Aegypten, Sudan, Somalia (cf. Waris Dirie), Gambia, Mali, Aethiopien - Verschluss, um Jungfraeulichkeit zu bewahren, kleine Oeffnung fuer Harn/Menstruation; Hochzeitsnacht: traumatisch, muss tw. chirurgisch eroeffnet werden * Typ IV: sonstige (Hineinstechen in Klitoris, Durchbohren, Schnitte in Vagina, aetzende Substanzen/Kraeuter in Vagina - Ziel: Verengung d. Vagina - Schoenheitsideal), Piercing d. Genitale im Westen bzw. Designer Vagina/vaginal rejuvination Folgen: Inkontinenz (verletzung d. uml. Gewebes), Schmerz (Typ III), haemorrh. Schock, Abszess, Fieber, Gangraen, Sepsis, Infektion ... Langzeitfolgen: rezid. HWI mit Gefahr d. Nierenschaedigung UGI, Gefahr d. Infert. (Kinderwunschambulanz - IVF ...) Zysten Fistelbildung Klitorisneurom haeufig Menstruationsbeschwerden, Kohabitationsbeschwerden/sex. Probleme vesicovaginale Fisteln, ... Geburtsprobleme! (-> Defibulation vor Geburt) in Herkunftslaendern tw. nach Geburt (Refibulation): in Oesterreich verboten! Komplikationen bei Geburt: verlaengerte Ursprung von FGM: viele Theorien * es fehlen schriftliche Quellen * Manche meinen mittlerer Osten, arab. Halbinsel * durch arab. HaendlerInnen verbreitet * unabh. Entwicklung in best. ethn. Gruppen? (Initiationsriten, ...) FGM in keiner Religion gefordert (auch nicht Islam, in vielen klassischen islamischen Laendern nicht praktiziert - Brauch aelter als Koran, auch von anderen Ethnien praktiziert) Alter variiert haeufig an Saeuglingen, tw. Teenager, manchmal Frauen vor Hochzeit, mitunter waehrend Geburt Tradition, Reinheit, weibliche Identitaet/Zugehoerigkeit, Frueher Initiationsriten (Fest, ...), Wahrung der Jungfraeulichkeit psuchosexueller Aberglaube (Klitoris wuerde anwachsen zu Penis, unersaettliches sexuelles Verlangen) Androgynitaet (m/f haben Teile d. anderen Geschlechts, die entfernt werden muessen) -> sensibler Umgang, Einfuehlsame Anamnese, Beschneidung + Sexualitaet = Tabu wertfreies Gespraech, kein moralisches Urteil nicht als interessanten Fall/Anschauungsobjekt demonstrieren Beratung/Managment (v. a. Typ III): * Zeit nehmen * behutsam fragen * PartnerInnen/Angeh. einbeziehen * Geburtsvorbereitungen treffen (Sectio notwendig? chir. Eroeffnung?) Praevention von FGM in .at: Kinder in Heimat mitgenommen zur Beschneidung (-> OeAeK, Gespraeche, Ueberzeugungsarbeit - schwere Koerperverletzung (3 a)/mit schweren Dauerfolgen (3 - 5 a), ...), Strafbarkeit fuer alle Mitwirkenden (auch Anstiftung/Beihilfe), bei oesterreichischer StaatsbuergerInnenschaft auch im Ausland strafbar! TDF, Gesundheitszentren: African Women's association (http://www.african-women.org/) FEM Sued (KFJ-Spital)