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Die Repression geht weiter

Rainer Heinzs ist Krankenpfleger in Wien. Sein Bericht zeigt die Machtverhältnisse Guatemalas auf, die eine gerechte Landverteilung bis heute verhindern, denn “Recht" hat auch heute noch, wer Geld und Macht hat. Als typisches Beispiel dafür berichtet er über die Gemeinde El Sauce, in der er 2,5 Monate als Acompañante (Internationaler Begleiter ) gelebt hat. Einige Tage nach seiner Abreise wurden VertreterInnen des Dorfes und er mit dem Tode bedroht.

Die Geschichte von El Sauce

[schulbild]

Das brachliegende Land war vor Jahren illegalerweise vom Großgrundbesitzer Luis Alfredo Ponce Cuz beschlagnahmt und für die Viehzucht gerodet worden. Der katholische Orden “Hermanos de la Salle" hat diese Land gekauft und am 30. Oktober 1996 sieben landlosen Familien zur Verfügung gestellt. Obwohl der Kauf und Besitz von El Sauce von der guatemaltekischen Landvermessungsbehörde INTA bestätigt wurde und Luis Ponce, sowohl von Seiten der Kirche als auch von der Dorfgemeinschaft mehrmals gebeten wurde, sein Vieh zu entfernen und das Land freizugeben, tat er nichts dergleichen. Im Gegenteil, er drohte seinerseits den DorfbewohnerInnen, daß er “Schritte" setzen würde, wenn sie nicht verschwänden. Der Friedensrichter von der zuständigen Bezirkshauptstadt unterstützte ihn dabei, schließlich gab es schon vorher Bespiele der guten Zusammenarbeit zwischen der Familie Ponce und den lokalen Behörden. Denn nicht nur Luis Ponce besitzt viel Land und Geld, auch sein Bruder Gilberto Adrian Ponce ist einer der größten Landbesitzer im Bezirk. Dessen Sohn Augusto Ponce ist noch dazu Abgeordneter des Bundesstaates Izabal im Nationalkongreß für die PAN, der Mehrheitspartei Guatemalas, die im Moment auch den Präsidenten stellt.

Massaker im Jänner 1997

Nachdem sich die EinwohnerInnen von El Sauce nicht von den Drohungen einschüchtern ließen, griff Luis Ponce zur Selbstjustiz Am 24.Jänner 1997 um fünf Uhr morgens überfiel er mit ca.60 Bewaffneten die Gemeinde, tötete eigenhändig Dona Rosa Chub Pec, verletzte auch ihren Sohn Juan Rax Chub schwer, ließ Hütten, Ernte und Habseligkeiten niederbrennen und den Großteil der Haustiere niedermetzeln. Die schockierten und verängstigten Menschen wurden in die Bergwälder vertrieben.


Als einige der Männer den verletzten Juan nach El Estor brachten, mußten sie erkennen, daß sie von staatlicher Seite keine Hilfe erwarten durften.

Keine Hilfe von der Polizei

[eine Frau]

Weder Polizei noch Richter reagierten auf den Überfall - wenn in Guatemala eine einfache Campesina von einem Reichen erschossen wird, kräht kein Hahn danach.

Erst der Pfarrer von El Estor, Padre Daniel Vogt, verständigte MINUGUA (UNO-Menschenrechtskommission in Guatemala), Christian Solidarity International und Amnesty International. Auch die LandarbeiterInnenbewegung CONIC (Coordinadora Nacional Indigana y Campesina) wurde aktiv. Allerdings konnte erst am 12. Februar ein Haftbefehl gegen Luis Ponce und sieben weitere Personen beim Generalstaatsanwalt in der Hauptstadt erwirkt werden. Dessen Sekretär meinte noch, daß dies keine gute Idee sei, solche Leute zeige mensch nicht an.

Es erübrigt sich eigentlich fast anzuführen, daß der Haftbefehl bis jetzt nicht exekutiert worden ist. Letztendlich legte Ponce Berufung beim Verfassungsgerichtshof ein, was den Haftbefehl für nicht absehbare Zeit stilllegt.

Ich kam am 14. Februar 1997 als internationaler Beobachter nach El Sauce, nachdem die Dorfgemeinschaft den Wunsch nach Acompañantes geäußert hatte. Während meines Aufenthaltes wurden wir immer wieder verbal bedroht und von Handlangern Luis Ponces beobachtet, erst kurz nach meiner Abreise tauchten wieder Bewaffnete in den Dörfern El Sauce, Chiguoyo und Tzulpec auf. Es ist wahrscheinlich nur der massiven Intervention nationaler und internationaler Organisationen zu verdanken, daß es zu keinen Gewattaten mehr kam.

Der Fall von El Sauce ist leider kein Einzelfall in Guatemala, schon gar nicht im übrigen Lateinamerika. LandarbeiterInnenbewegungen können traurige Lieder davon singen. Wie die Regierung mit diesen Organisationen umgeht zeigen die letzten Nachrichten die uns CONIC gesendet hat. Am 1.Oktober begannen in Guatemala-Stadt Verhandlungen zwischen RegierungsvertreterInnen und CNOC (dem Dachverband vorher genannter Organisationen). Vor und während der Verhandlungen wurde das Büro von CONIC von der Polizei bespitzelt, auch drang ein Bewaffneter ein und suchte nach den führenden LeiterInnen. Am 2.10. wurde die Privatwohnung von Juan Tiney Ixbalan (Gründer von CONIC) durchsucht und seine Familie eingeschüchtert.

Der Kampf um Frieden und Gerechtigkeit ist in Guatemala (wie auch im Rest der Welt) noch lange nicht vorbei, trotz Unterzeichnug eines Vertragspapieres. Es wird vermutlich noch viel Kraft und Blut der einfachen Bevölkerung notwendig sein, um die politischen und ökonomischen Verhältnisse zu ändern. Aber auch der internationalen Solidaritätsbewegung kommt eine wichtige Aufgabe zu. Nicht nur, weil die Gegenwart von Internationalen ein wenig Schutz bietet, sondern auch, weil im Endeffekt nur eine breite international vernetzte Bewegung einen grundlegenden Widerstand gegen den vormaschierenden Neoliberalismus sein kann.

Rainer

modified: Saturday, 30-Sep-2017 00:14:17 CEST, [Ini-Logo] retrieved: Friday, 12-Jun-2026 07:44:09 CEST.

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