Stinken wir zu sehr?
Fa-Werbung in der Uni
Seit Beginn des Semesters hängen am Mathematkinstitut Werbetafeln am Gang
und IN den Hörsälen. Das ist nach dem neuen UOG
(UniversitätsOrganisationsGesetz) erlaubt. Trotzdem noch einige Sätze
dazu.
Laut Gesetz ist in Bezug auf die Teilrechtsfähigkeit (Amtsdeutsch) der
einzelnen Institute bzw. Fakultäten der/die jeweils Vorstehende zuständig.
In diesen Bereich der Teilrechtsfähigkeit fällt auch die
Drittmittelfinanzierung. Was heißt das jetzt alles?
Machtkonzentration
Der/die Institutsvorstehende (bei uns Prof. Rindler) ist einzig und allein
dafür verantwortlich was und wieviel an Werbung so alles aufgehängt wird.
Alles was einem Kollegialorgan (Institutskonferenz) vorgelegt werden muß
ist die Abrechnung, also was das Institut durch Werbung verdient hat. Ein
offizielles Mitspracherecht bei der Auswahl der WerbepartnerInnen wurde
also niemandem eingeräumt. Bis jetzt ist ja noch nicht viel passiert - ein
paar Fa- und Hewlett Packard-Plakate wurden in besonders ästethischen
Metallrahmen übers Institut verteilt.
Unerwünschte Nebenwirkungen
Es ist jetzt nicht das Mißtrauen gegenüber Prof. Rindler, das befürchten
läßt, daß die Werbetafeln eines Tages mißbräuchlich genutzt werden,
vielmehr stellt sich die Frage, ob es die Gefahr des Mißbrauchs gibt.
Und ja, die gibt es. Kaum jemand wird wohl daran interessiert sein, in
Vorwahlzeiten PolitikerInnen von den Wänden im Hörsaal grinsen zu sehen.
Schon gar nicht wenn mensch weiß, daß nicht alle Instituts- und
Fakultätsvorstehende parteiunabhängig sind, sondern ganz im Gegenteil viele
in Parteien aktiv sind. Und auch vor der ÖH-Wahl ist es wohl nicht
wünschenswert, daß gerade die finanzstärksten Fraktionen sich die
Plakatwände in den Instituten leisten können und die anderen sich mit den
eh schon spärlich bemessenen freien Plakatflächen begnügen werden
müssen.
Sexismus
Weiters ist auch zu befürchten, daß eines Tages auch vor sexistischen
Werbungen nicht zurückgeschreckt wird. Das alles bei einer
Machtkonzentration bei nur einer Person.
Falls also eineR dieser Verantwortlichen danebengreift, werden wir
sicher nicht stillschweigend zuschauen!
Und wieviel Geld ein Institut wirklich damit machen kann muß die Praxis
erst mal zeigen. Es ist aber kaum vorstellbar die finanzielle Misere der
Universitäten in Österreich dadurch zu lösen. Denn je mehr Einnahmen ein
Institut machen wird, umso weniger Geld wird das Ministerium springen
lassen.
Forschungsaufträge
Weiters besteht im Rahmen dieser Drittmittelfinanzierung auch die
Möglichkeit Forschungsaufträge der Industrie anzunehmen. Inwieweit mensch
sich dabei von dem/r AuftraggeberIn abhängig macht, bleibt einem/r selbst
überlassen. Daß aber Forschung für kommerzielle Zwecke auch in die
Abhängigkeit führen kann (und in manchen Bereichen dies gezwungenermaßen
tut) macht die Sache äußerst gefährlich. Ob es nun günstig ist, sich durch
das schnell verdiente Geld blenden zu lassen, halte ich für sehr fraglich.
Aussichten
Hier kommen noch einige Vorschläge, was mensch sonst noch alles machen
könnte, um Geld für unsere Institute aufzutreiben.
Es bestünde ja die Möglichkeit, unsere Profs mit kleinen Aufnähern zu
versehen (wie bereits im Spitzensport vorexerziert). Mensch kann sich ja
leicht vorstellen, daß beispielsweise Professor Rindler von einer
Turnschuhfirma gesponsert wird.
Aber auch in den Vorlesungen könnte die Drittmittelfinanzierung ihre
Anwendung finden. Gerade bei zweistündigen durchgehenden Vorlesungen ist es
durchaus denkbar, in den Pausen kleine Werbeeinschaltungen einzubauen.
JedeR von uns kennt vermutlich die Werbevorführungen auf diversen Messen
bzw. auf der Mariahilferstraße. Unter Umständen könnte mensch sogar so weit
gehen, Verkaufsvorführungen zu organisieren. Quasi einkaufen in der Uni
erspart am Abend den Weg zum Billa.
Niki (Roter Vektor, BING)