Axel Schmid: Ich begann in Tübingen ein Chemiestudium, arbeitete zwischendurch eine Zeit in der chemischen Industrie und begann dann ein Biologiestudium, welches mich unter anderem nach Würzburg und Berlin führte. Meine Abschluß-arbeit schrieb ich am Max Planck Institut für biologische Kybernetik. Seit 1989 bin ich an der Uni Wien als Assistent in der Abteilung Neurobiologie.
exxil-info: Womit beschäftigst du dich momentan?
Axel Schmid: Ich beschäftigte mich an und für sich mit dem visuellen System der Diptera. Bei uns am Institut wird hauptsächlich mit Spinnen gearbeitet und neben der Arbeit von Prof. Barth und Doz. Tichy ergänze ich die Forschung durch die Erweiterung auf den Bereich des visuellen Systems von Spinnen und untersuche momentan die Funktion der Augenbewegung bei Spinnen.
exxil-info: Du hast sämtliche Vorlesungen des Instituts für Zoologie in einer Art Vorlesungsverzeichnis zusammengefaßt mit Kurzinformation über die Inhalte. Was hat dich bewegt, diese doch sehr zeitaufwendige Arbeit (immerhin 44 Seiten kompakte Information) auf dich zu nehmen?
Axel Schmid: Die ursprüngliche Fassung hatte über 90 Seiten. Ich packte es jedoch durch kleinere Schrift und Spaltenlayout auf 44 Seiten. Grundsätzlich gibt es zwei Ziel-gruppen: Erstens die Studierenden an unserem Institut, denen dieser Lehrveranstaltungskatalog eine Hilfe-stellung sein soll, welche Vorlesungen mit welchem Inhalt angeboten werden. Zweitens ist Prof. Barth der zuständige Koordinator für Erasmus-Studierende (pro Jahr etwa 30 aus den EU-Ländern). Auch diese Student-Innen kommen meistens zu uns und fragen uns, welche Veranstaltungen sie hier besuchen sollen oder können. Wenn nun dieser Katalog mit eurer Hilfe ins Internet gestellt wird ist es für die zukünftigen Erasmusstu-dierenden bereits an der Heim-universität möglich, sich über die Lehrveranstal-tungen zu informieren. Diese Prä-sentation ist in Österreich noch sehr unterentwickelt, wenn man zum Beispiel an Schweden denkt, wo fast jedes Institut Videos besitzt, welche das eigene Institut vorstellen.
exxil-info: Wie siehst du die allgemeine Situation der Wissenschaft in Österreich, vor allem die finanzielle Lage?
Axel Schmid: Prinzipiell ist das Grundgehalt niedriger als in der BRD. Gemessen am BiP (Bruttoinlands-produkt) gibt Österreich im inter-nationalen Vergleich nur einen minimalen Anteil für Forschung aus, daß heißt in der Gundlagenforschung ist man vollständig von Drittmittel-finanzierung abhängig. Diese funk-tioniert jedoch relativ gut, sprich es gibt eine geringe Ablehnungsquote. Die staatlichen Budgets reichen gerade aus, um Geräte reparieren zu lassen und ab und zu vielleicht einen Computer zu kaufen. Auch habe ich erfahren, daß Prof. Holstein, wäre er als Nachfolger von Prof. Riedl nach Wien gekommen, für die Pensions-rücklage ungefähr 1,4 Millionen Schilling bezahlen hätte müssen, wenn er eine Pension als Universitäts-professor beziehen wollte. Das kann kein Ansporn sein, um international anerkannte Kräfte nach Öster-reich zu bringen. In unserem Ordinariat bin ich mit der räumlichen Situation und der Ausstattung mit Geräten zufrieden.
exxil-info: In diesem Herbst ist das neue Universitätsstudiengesetz (UniStG) in Kraft getreten. Welche Probleme und Möglichkeiten siehst du im Rahmen des UniStG und des UOG93 in Anbetracht des Psychologiestudiums, wo es heuer ersmals eine Knock Out Prüfung im Rahmen einer Studieneingangsphase gibt?
Axel Schmid: Prinzipiell bin ich gegen eine Studieneingangs-phase. Der offene Zugang zu Universitäten, an und für sich eine gute Sache, führt jedoch zu relativ hohen Drop Out Quoten, welche haupsächlich auf Unwissenheit der NeuinskribentInnen zurückzuführen sind. Ich könnte mir vorstellen, daß man den ersten Studienabschnitt mit einer richtigen Diplomprüfung in drei bis vier Fächern abschließt und den Studierenden dadurch eine Mög-lichkeit bietet, falls sie merken, daß Biologie doch nicht das richtige Studium für sie ist, das Studium abbrechen und doch einen “kleinen" Biologieabschluß vorweisen zu können. Dazu müßte jedoch der erste Abschnitt grundlegend reformiert werden.
exxil-info: Und was hältst du von der Idee einer echten Orientierungsphase mit einer Vorstellung des Biologiestudiums und der einzelnen Institute ohne Knock Out Prüfung als Block im ersten Semester und Entscheidungshilfe für die Neuin-skribierenden?
Axel Schmid: An und für sich ist die Idee nicht so schlecht, der organisa-torische Aufwand wäre jedoch sehr groß. Im Idealfall wäre das eine denkbare Alternative, ich halte es aber für eher unrealistisch, daß so eine Ver-anstaltung vernünftig ablaufen würde.
exxil-info: Seit Herbst ist das neue Dienstrecht für Beamte in Kraft getreten. Sind bereits Auswirkungen spürbar und wie siehst du die zukünftigen Aus-wirkungen dieses neuen Dienstrechts?
Axel Schmid: Momentan sind noch keine Auswirkungen auf die Zoologie spürbar, da die Lehraufträge für dieses Semester und für das nächste Sommer-semester bereits vergeben sind. In Zu-kunft wird es nur mehr eine Pauschal-vergütung für eine Mindestanzahl an Lehraufträgen geben und darüber hinaus nur mehr Zuschüsse für weitere Lehrveranstaltungen abhängig von dem Studiendekan oder der -dekanin. Überhaupt stellt der/die Studien-dekanIn eine sehr machtvolle Position dar, wobei man nur hoffen kann, daß dieses Amt von einer sehr objektiven und integeren Person übernommen wird. Ich vermute, daß die nächsten Jahre eine mehr oder weniger große Chaosphase darstellen werden, sehe jedoch die Chance, daß es im Rahmen der Evaluierung der Lehrpläne ein Nachdenken über die Lehrinhalte geben wird und Lücken bzw. Über-angebote geschlossen bzw. ausge-räumt werden. In einem sehr kon-servativen System ist es, glaube ich, notwendig, daß ein Druck von außen vorhanden ist, um Veränderungen zu ermöglichen. Und dieser Druck wird einerseits durch das Dienstrecht, andererseits durch UOG93 und UniStG ausgeübt. Ich glaube, daß diese sich auf das Biologiestudium positiv auswirken könnten.
exxil-info: Es gibt jedoch die Gefahr, daß die momentanen Pfründe beibehalten werden und sie weiterhin unter den ProfessorInnen aufgeteilt werden.
Axel Schmid: Natürlich. Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. Doch hoffe ich, daß die/der StudiendekanIn so objektiv ist, daß er oder sie macht-politische Spiele abwehren kann.
exxil-info: Zur Studienrichtungs-vertretung: Welchen Kontakt hast du zur Studienrichtungsvertretung und welche Erwartungen stellst du an eine StRV?
Axel Schmid: Meine Kontakte zur StRV sind an und für sich sehr gering, da ich in keinen Kommissionen sitze und dieses Interview neben dem Lehrveranstaltungskatalog mein erster Kontakt zu Euch ist. Ich habe man-chmal gehört, daß in Kommissionen die studentische Kurie nur sehr schwach besetzt ist. Es ist sehr traurig, daß es bei den ÖH-Wahlen nur eine sehr geringe Wahlbeteiligung gibt, da die Verantwortung der Studierenden-vertretung doch eine erhebliche ist, sitzt ihr doch auch z.B. in Habilitationskommissionen. Es besteht überhaupt die Gefahr, daß die StRV zu einer reinen Serviceeinrichtung degeneriert. Gerade im Rahmen von Einführungstutorien finde ich es sehr wichtig, daß den Studierenden nicht nur das Spinnenhaus oder das Bio-zentrum gezeigt wird, sondern die Studierenden auf ihre demokratiepolitische Verantwortung hingewiesen werden.
exxil-info: Und wie stehst du zur ge-setzlichen Verankerung der ÖH in Österreich?
Axel Schmid: Prinzipiell sehe ich die Verankerung positiv, glaube aber daß es nicht sehr positiv ist, daß parteinahe Vertretungen kandidieren und so die Parteien sich in die Hochschulpolitik einmischen. Das macht auch unter den Studierenden kein gutes Bild. Vielleicht ist es in anderen Ländern sogar besser, wo es keine gesetzliche Verankerung gibt, da dort näher an der Basis gearbeitet wird und noch vermehrt um Rechte gekämpft wird. Außerdem halte ich es für sehr sinnvoll, wenn die Studierenden-vertreterInnen ständigen Kontakt mit den MittelbauvertreterInnen halten würden, da es in Zukunft auf Grund der geänderten Machtverhältnisse in den Kommissionen nur gemeinsam möglich sein wird, Vorschläge und Ideen durchzubringen.
exxil-info: Ich bedanke mich für das Interview.