I Hubert, Semesterbeginn, Prüfungsstreß, wie läuft dein Gschäft grad so?


H: Also, momentan rennt´s total gut. Besonders auf den Ernährungswissenschaften. Da gibt´s nämlich fast gar keine Skripten und die Leute sind auf Mitschriften angewiesen. Ich komm gar nicht mehr nach mit der Arbeit.

I: Also eine lukrative Sache?

H: Absolut! Und zudem ist die Knete unversteuert und bar auf die Hand. Wo hat man das heut schon noch?

I: Das klingt ja sehr nach "easy money" ...

H: ... Moment mal, da steckt ein irrsinniger Aufwand dahinter. Ich muß zuerst Leute auftreiben, die mich ihre Mitschriften kopieren lassen. Und das ist gar nicht mehr so einfach, weil mittlerweile viele was dafür verlangen. Im Normalfall reicht´s, wenn ich ihnen ein Gschichtl drücke, von wegen ich bin ganztägig berufstätig und Familie und Streß und keine Zeit in die Vorlesungen zu gehen. Dann rücken sie die Dinger schon raus. Aber zahlen kann ich nicht´s dafür, sonst rechnet sich mein Gschäft ja nimmer.

I: Klingt einleuchtend. Und wie geht´s weiter?

H: Na ja, dann klopf ich die Dinger in meinen neuen Labtopf und spiel mich ein bißchen mit dem Layout - das ist übrigens das Um und Auf einer guten Mitschrift, das Optische! Und der Computer hat mich ja auch einiges gekostet.

I: Aber so wie das Gschäft jetzt rennt, wird er sich bald amortisiert haben, oder?

H: Ja, auf alle Fälle. Ich hab gleich nach dem Sparpaket mit meinem "Bauchladen" angefangen. Das war der absolut richtige Zeitpunkt. Seit dem Sparpaket müssen ja fast alle Studis hackeln, also haben sie keine Zeit mehr auf Vorlesungen zu gehen. Seitdem floriert das Geschäft!

I: Also sind berufstätige Studis deine HauptabnehmerInnen?

H: Ja, Hackler und alleinerziehende Mütter. Wobei ich bei Alleinerzieherinnen dann schon oft 5% Rabatt mache. Die haben´s ja wirklich nicht einfach. Und der Rabatt spricht sich dann rum und bringt mir wieder sichere Kundschaft!

I: Das heißt, Du brauchst Dich gar nicht um neue Kunden bemühen, das rennt über Mundwerbung?

H: Na ja. Von Zeit zu Zeit, wenn sich Stagnation abzeichnet, schreib ich dann wieder mal so handgeschriebene Zettel mit "Verkaufe Mitschrift ..." - so von privat an privat. Und dann rufen die Leute schon an.

I: Bei dir zu Hause?

H: Nein, ich hab mir jetzt ein Handy gekauft. Ich muß ja immer und überall erreichbar sein. Das ist der große Marktvorteil den ich gegenüber meinen Konkurrenten habe. Die Studis brauchen die Dinger ja am besten gestern. Da muß alles schnell gehen.

I: Ist die Konkurrenz unter den Mitschriften-Verkäufern so groß?

H: Ja, leider werden´s immer mehr. Zudem gibt´s immer noch einige, die die Dinger gratis hergeben. Die machen den Markt total kaputt. Ich versteh das sowieso nicht. Wie komm ich dazu, meine Mitschrift jemandem umsonst zu geben? Ist doch Wahnsinn, oder? Für alles muß man bezahlen, das Leben ist eben ein beinhartes Geschäft, mein Freund! Und gegen diesen komischen Mitschriften-Pool im StRV werd ich auch noch was in die Wege leiten. Die lassen nämlich Studis die Mitschriften gratis kopieren. Die ÖH, verstehst Du! Grad die fallen mir in den Rücken. Aber das ist nur eine Frage der Zeit, bis die ÖH auch keine Gratis-Mitschriften mehr kriegt. Dann können sie den Pool dicht machen.

I: Also absolut gute Aussichten für Dich, Hubert?

H: Ja, aber wie gesagt. Da steckt ein irrsinniger ...

Sämtliche Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen lebender MitschriftenverkäuferInnen mit “Hubert" sind absichtlich und gewollt. StRV/BSE sind der Meinung, daß Mitschriften-verborgen unter Studis eine Selbstverständlichkeit sein sollte!!! (Es sind nämlich nicht alle, die nicht auf VO´s gehen, zu faul dazu!!)

... und im übrigen sind wir der Meinung, die Mitschriften-Mafia muß zerschlagen werden.

Birgit (StRV EW/BSE)