Die Gründe weshalb wir uns dieses Thema vorgenommen haben sind vielfältige. Einer davon ist, daß Diskriminierung von Frauen Ende des 20. Jahrhunderts im ach so fort-schrittlichen und zivilisierten West-europa schon lange kein Thema mehr ist. Es ist selbstverständlich, daß Frauen eine Ausbildung machen, erwerbstätig sind, wissenschaftlich forschen und Karriere machen. Wenn sie es jedoch nicht tun, oder auch immer wieder daran scheitern, sind sie selbst schuld. Jeder Frau stehen schließlich alle Wege offen, natürlich frei von geschlechtsspezifischen und rollentypischen Normen und Zwän-gen.
Ist doch so, oder?
Eine weitere, ausschlaggebende Tatsache, daß wir uns dieses Thema vorgenommen haben, ist, daß es mittlerweile gleich viele männliche wie weibliche StudienanfängerInnen gibt. Der “kleine" Unterschied besteht eigentlich nur bei der Studienwahl. Auf den geisteswissenschaftlichen Fakultäten gibt es bei den Studien-anfängerInnen einen Frauenanteil von etwa 70%, an technischen Uni-versitäten hingegen liegt er bei 22% und auf der Montanuni ist er noch geringer. Interessant wird es auch wenn man/frau sich den Frauenanteil auf den verschiedenen universitären Ebenen anschaut. Dieser liegt bei den AssistentInnen bei ca. 30%, bei den ProfessorInnen nur mehr bei 3% Frauen und, welche Frau wundert's, es gibt keine einzige Rektorin.
Welche Sozialisationsmuster liegen der Ausbildungswahl zugrunde und welche subtilen Auschließungs-mechanismen verdrängen nach wie vor Frauen aus Wissenschaft und Technik?
Weiters möchten wir eine Sichtbarmachung von Frauen in Naturwissenschaft und Technik erreichen, denn es gibt sie doch, die Frauen, die in diesen Bereichen forschen und arbeiten.
Vor allem: Es gab sie schon immer nur wurde in den geschichtlichen Aufzeichnungen gerne von den Männern auf sie vergessen. Tatsache ist, daß Frauen sich immer schon mit Wissenschaft und Technik auseinandergesetzt haben bzw. auseinandersetzen, nur, daß die Arbeit von Frauen entweder abgewertet oder totgeschwiegen wurde bzw. wird.
Eine ausgeglichene Repräsentation von Frauen in einer “verträglicheren" Naturwissenschaft kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn die quantitative Erhöhung des Frauen-anteils parallel mit Veränderungen in Naturwissenschaft und Technik selbst, den hier innewohnenden Methoden und Strategien, dem (natur) wissenschaftlichen Erfolgsmodell und der Aufhebung der geschlechts-spezifischen Arbeitsteilung in unserer Gesellschaft erfolgt.
Das Tutorium begann am 19. November (und findet anschließend jeden zweiten Mittwoch statt - späteres Einsteigen ist kein Problem) und findet im U.F.O. statt (nähere Informationen sieheArtikel: "Was ist das U.F.O.?"). Das U.F.O. ist der Uni Frauen Ort und befindet sich in der Berggasse 5/ 24, im 9 Bezirk.
Petra (Grüner Zweig), Elke, Martina