Eines schönen Tages setzte sich eine Arbeitsgruppe der (u.a. für die Studienpläne verantwortlichen) Studienkommission zusammen und stellte fest, daß es zu viele faule, schlampige Studierende gibt. Daß die wenigen Leistungswilligen von den vielen Faulen am Studieren gehindert werden. Daß die wenigen fleißigen AssistentInnen nicht mehr forschen können, weil sie sich die ganze Zeit mit BummelstudentInnen beschäftigen müssen. (Ob es ein Zufall ist, daß etwa 75% Frauen betroffen sind?)
Die Schlußfolgerung: Raus mit dem faulen Pack! Leider kann ma das aber nicht so sagen. Deswegen schrieb die Arbeitsgruppe einen wunderbaren Text über Gerechtigkeit und Ehrlichkeit und guten Willen und Verbesserung der Studienbedingungen und kreierte eine Studieneingangsphase.
Die vom AG (AktionsGemeinschaft)-nahen “Psychologischen Team" gestellte Studienrichtungs-vertretung schwieg und druckte den Text der Arbeitsgruppe kommentarlos ab.
Nun ist eine Studieneingangsphase nichts Neues. Im guten, alten Allgemeinen Hochschulstudiengesetz von 1967 steht, daß sie der Orien-tierung dienen soll, grundlegende, das Studium kennzeichnende Lehrveranstaltungen enthalten soll und keinesfalls als Knock-Out-Phase mißbraucht werden darf.
Die Wirklichkeit sieht anders aus: Die Studieneingangsphase besteht aus einer “Ringvorlesung", die vorwiegend an zwei Samstagen vom frühen Morgen bis zum späten Abend läuft. Die “Orientierung" besteht offensichtlich darin, daß Didaktik am Institut für Psychologie nicht stattfindet - mit den Intentionen der GesetzgeberIn mit Sicherheit nicht vereinbar.
Das dicke Skriptum geht weit über den Mittelschulstoff hinaus; wirklich verstehen kann es in drei Wochen wohl niemand, dennoch: für den dritten Samstag im Oktober war die Prüfung vorgesehen!
Ein weiterer Gesetzesbruch besteht in den Konsequenzen der Prüfung: Ein Großteil der Lehrveranstaltungen des ersten Abschnittes darf laut Studienplan gar nicht mehr besucht werden, wenn ma beim ERSTEN Termin nicht durchkommt. Das gilt auch für das Sommersemester - eine klare Rechtswidrigkeit!
Die vom AG-nahen “Psychologischen Team" gestellten StudierendenvertreterInnen stimmten möglicherweise dagegen. (Darüber gibt es widersprüchliche Angaben.) Ein “Votum separatum", das für solche Fälle vorgesehen ist, um eine rechtliche Prüfung zu erwirken, brachten die studentischen Kommissions-mitglieder nicht an, obwohl sie sich sonst geradezu als Geschäfts-ordnungsspezialistInnen auszeichnen.
Anstatt aber nun die HörerInnen, die Presse und andere ÖH-Institutionen zu informieren und entsprechenden Widerstand zu organisieren, setzten sich die PTlerInnen in ihre StRV-Räume und schrieben den neuen Studienführer. Darin meinen sie, daß es recht günstig ist, wenn ma brav lernt und alles tut, was die ProfessorInnen sagen. Das verstehen sie unter Interessensvertretung.
In der Zwischenzeit schickten die ProfessorInnen den Studienplan schnell und unter Umgehung des Dienstweges ans Ministerium. Schnell deshalb, weil sie die Bewilligung noch vor dem Inkrafttreten des neuen UniStG bekommen wollten. Dieses sieht nämlich eine gewisse öffentliche Beteiligung am Studienplan vor.
Unter Umgehung des Dienstweges agierten sie deswegen, weil sie be-fürchteten, daß der Dekan etwas dagegen haben könnte, daß irgendwie doch noch so etwas wie Widerstand entstehen könnte, wenn die von der LInken-Alternativen Basisliste (LIAB) gestellte Fakultätsvertretung Gruwi Wind von der Geschichte bekommen würde.
Der Minister bewilligte ohne mit der Wimper zu zucken, das Vorle-sungsverzeichnis wurde geändert, die Skripten wurden gedruckt, die Inskriptionsfrist begann, die Vorlesung wurde gehalten.
Die “Studienrichtungsvertretung" klärte die Studierenden auf: Es ist sehr, sehr wichtig, das Zeugnis richtig auszufüllen.
Das Ergebnis der Prüfung bestätigte dann die Befürchtungen: Etwa die Hälfte der über 1000 Erstsemestrigen ließ sich abschrecken und trat gar nicht an.
Das war den ProfessorInnen dann aber doch ein zu hoher Einschnitt in die HörerInnenzahlen (und ihre künftig zu erwartenden Prüfungsgelder), sodaß sie etwa 80% der Angetretenen durchkommen ließen.
Wieviel jetzt aber noch gerettet werden kann, ist unklar. Jedenfalls wird an Aktionen und andere Gegenmaßnahmen gedacht.
Vielleicht siehst Du ja wieder einmal eine nette Studienrichtungsvertreterin, wenn Du ein paar Skripten kopierst, oder ein sympathischer Studienrichtungsvertreter verkauft Dir einen Glühwein. Dann kannst Du sie ja fragen, was sie davon halten, vom KnockOut-System...
Werner Hromada (GRAS, BING)