Ernesto Che Guevara

"Nur die Revolution zählt,

als Individuen sind wir nichts!"

Der am 14.6.1928 in Argentinien als Ältester von 5 Kindern geborene Ernesto Guevara war schon als Kind ein Draufgänger, der seine Freunde und die Naturgesetze herausforderte. Er war aufsässig und las viel; v.a. Karl Marx war seine Leitfigur. Ernesto war überzeugter Anti-Peronist und wie seine Mutter der Meinung, daß die Ungerechtigkeit nur durch den bewaffneten Kampf zu besiegen sei. Er war ein Abenteurer und unternahm viele Reisen. Nach seinem Medizin-examen reiste er wieder einmal durch den südamerikanischen Kontinent. Er kehrte schwer betroffen von dem Elend und der Ungerechtigkeit, die ihm überall begegneten, zurück. Sein Haß gegen die Amerikaner wuchs, sowie sein Verlangen, Widerstand zu leisten.

Kuba

Nach einem Aufstand in Argentinien flüchtete Che im September 1954 nach Mexiko, wo er 10 Monate später Fidel Castro kennenlernte, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Che schloß sich ihm an, um den bewaffneten Kampf gegen die Diktatur in Kuba zu beginnen. Dabei war Che in seinem politischen Denken weiter entwickelt als die Mehrheit der Bewegung von Castro. Für ihn ging es nicht nur um die Befreiung von der Diktatur und vom Imperialismus, sondern um den Sturz des Kapitalismus. Das Schiff, das Ende November 1956 mit 82 Personen mit dem Ziel Kuba in See stach, strandete nach 7 Tagen. Die kubanische Armee entdeckte die Landung und bombardierte die Gegend - nur 12 Leute überlebten.

Im Juli 1957 ernannte Fidel Castro Che zum Commandante (die RebellInnentruppe bestand zu der Zeit aus ca. 200 Leuten inkl. BäuerInnen). Che gründete eine Zeitung und einen Sender: "Wir sind seit 16 Monaten in der Sierra Maestra. Ich nehme die Gelegenheit des Besuches eines kubanischen Journalisten wahr, um das kubanische Volk zu grüßen. Ich kämpfe für dieses Volk auf der Grundlage der Taten und Gedanken unseres Führers Fidel Castro."

Im Dezember 1958 besiegten Ches 300 Guerilleros/as 4.000 Soldaten, Diktator Batista floh und die RebellInnen triumphierten.

Che hatte bei allen darauffolgenden Reformen - z.B. Landreform, Alphabetisierungskampagne - seine Hand im Spiel. Im Februar 1961 übernahm er das Amt des Industrieministers. Von den 6 Jahren in Kuba verbrachte er alleine 11 Monate als Sprachrohr der Revolution im Ausland.

Sozialismus

Che war der Ansicht, daß, damit der Kommunismus klappt, der Mensch und die Ökonomie verändert werden müssen. Seine Konzeption vom Aufbau des Sozialismus in Kuba stellte den bewußten Menschen in den Mittelpunkt. Er widersprach dabei der Politik der Sowjetunion. Einerseits bedeutete die Erziehung des neuen Menschen die Einbeziehung der Massen und hatte einen anti-bürokratischen Zug. Zum anderen lehnte Che die Einführung von Marktelementen in die Planwirtschaft, wie sie die Sowjetunion vollzog, ab. Er wollte in Kuba ein entwickeltes, planwirtschaftliches System aufbauen, welches das Land aus der wirt-schaftlichen Abhängigkeit bringen sollte. Die Politik der Sowjetunion stand aber gegen Ches Weg, und Kuba alleine war wirtschaftlich-industriell zu schwach, um Ches Ideen Wirk-lichkeit werden zu lassen. Der Ausweg aus diesem Dilemma war der Kampf für die Internationalisierung der Revolution, den Che nun persönlich bis zu seinem Tod aufnahm. So tauchte er Mitte der 60er überraschend unter und verließ, nachdem der kubanische Geheimdienst Ches Aussehen verändert hatte, Kuba unerkannt.

"Andere Länder auf der Erde brauchen meine bescheidene Unterstützung. Für uns ist die Zeit des Abschieds gekommen. Ich werde den Glauben, den du in mir entfacht hast, auf andere Schlachtfelder tragen. Und mit ihm die Überzeugung, die heiligste aller Pflichten zu erfüllen: den Imperialismus, wo immer er sich zeigt, zu bekämpfen. Das tröstet mich über meinen Abschiedsschmerz." (Ches Abschiedsbrief)

Im März 1965 unterstützte er heimlich die Befreiungsfront in Kongo. Das Unternehmen endete allerdings in einem Fiasko. Im Oktober 1966 kehrte Che Guevara mit falschem Paß und unter dem Decknamen Ramon nach Kuba zurück, um die Guerilla in Bolivien vorzubereiten. Im November reiste Che dann heimlich nach Bolivien, um mit dem Kampf zu beginnen. Die KubanerInnen hatten die bolivianischen KommunistInnen gebeten, eine geheime Mission zu unterstützen. Ende Dezember wollte der Vorsitzende der KommunistInnen allerdings das Kommando über die Guerilla übernehmen - Che lehnte ab und es kam zum Beziehungsabbruch. Die 50 Guerilleros/as wurden in einer menschenleeren Gebirgsgegend iso-liert. Im März 1967 löste eine unvorhergesehene Begegnung mit der Armee den Krieg aus. Ein Guerillero verriet die Verstecke, wo die Guerilla Waffen und Fotos verbarg. Man fand auch Ches Paß und hob im Anschluß daran das gesamte "La Paz"’-Netzwerk aus. Die Moral der Guerilleros/as, die keinen Kontakt mehr mit La Paz und Havanna hatten, sank. Die BäuerInnen unterstützten sie nicht, sondern betätigten sich als Spitzel. Ende September standen die nur mehr 17 Guerilleros/as 600 von AmerikanerInnen ausgebildeten Rangers gegenüber. Am frühen Morgen des 8. Oktobers 1967 entdeckte ein Bauer die Guerilleros/as und informierte die Armee. Es kam zum Kampf, bei dem Che verwundet wurde und in eine Schlucht flüchtete. Er wurde gefangen genommen und 24 h im Schulhaus von Higuera ein-gesperrt, wo er am 9. Oktober 1967 aus nächster Nähe erschossen wurde.

Resumé

Che Guevara sah in der Guerilla die wichtigste Form der revolutionären Organisation in Lateinamerika. Er verteidigte die Notwendigkeit der revolutionären Vorhut und des Marxismus als revolutionäre Doktrin. Nach Che sollte das Beispiel der KämpferInnen den armen Klassen beweisen, daß ein anfänglich über-legener Feind geschlagen werden kann, wie es mit der Revolution in Kuba bewiesen wurde. Im allgemeinen war sich Che auch über die unerläßliche Verbindung zu den Massen bewußt. Er selbst warnte im Bezug auf die Guerilla, daß diese Art von Krieg ohne die Unterstützung der Bevölkerung der Auftakt zu einer unvermeidlichen Katastrophe ist, wie es das Unternehmen in Bolivien klar gezeigt hat. So mußte Che leider einsehen, daß sich kubanische Verhältnisse nicht einfach auf andere Staaten übertragen lassen.

Monika (Grüner Zweig, BING)